Reichelsheimer Geschichte
Bürgermeisterwahl 2020 in Reichelsheim
Ein kleiner Rückblick abseits des Protokolls
Drei Kandidaten traten zur Wahl an. Lena Herget-Umsonst (SPD) gewann klar im ersten Wahlgang mit 59,38 Prozent, gefolgt von Holger Hachenburger (CDU) mit 21,98 Prozent und Cenk Gönül (FW) mit 18,64 Prozent. Wie es dazu kam, welche Stimmen bei den Bürgern laut oder weniger laut wurden und was nicht in den Zeitungen stand, lesen Sie nachfolgend - mehr oder weniger ernst gemeint.
Die Parteien und ihre Kandidaten
SPD
Als erste Kandidatin erschien Lena Herget-Umsonst in den Medien. Bislang hatte sie das Amt der Stadtverordnetenvorsteherin inne und war vielen Reichelsheimern bereits bestens bekannt, da sie an vielen öffentlichen Events teilnimmt und so 'sichtbar' war. Am 24. Januar wird offiziell bekannt gegeben, dass Herget-Umsonst für die SPD kandidiert.
Lena Herget-Umsonst hatte viele Anhänger ;-)
Freie Wähler
Schon lange vor der Wahl wurde in Reichelsheim darüber gemunkelt, ob Cenk Gönül (Freie Wähler) als Kandidat antreten werde. Schon im Vorfeld zeichnete sich ab, dass seine Kandidatur penibel und professionell vorbereitet wurde: Gründung eines eigenen Ortsvereins der Freien Wähler, Teilnahme an vielen Events auf Kreis-, Landes- und Bundesebene. Am 6. April wurde bekannt gegeben, dass die Freien Wähler Cenk Gönül als Kandidat nominiert haben.CDU
Es blieb lange still um einen Kandidaten aus den Reihen der CDU. Auch blieb lange offen, ob Amtsinhaber Bertin Bischofsberger sich zur Wiederwahl stellen würde. Es gab verschiedene Aussagen aus dem 'Buschfunk', die sagten, er trete wieder an; die anderen hätten gehört, er werde nicht mehr kandidieren. Ende Juni gab Bischofsberger dann in der Presse bekannt, nicht mehr kandidieren zu wollen.Kurz darauf erschien auf dem Facebook-Account von CDU-Stadtverbandsvorsitzendem Holger Hachenburger am Samstag, den 4. Juli, ein Video mit folgender Beschreibung: 'Die einen haben es gehofft, die anderen befürchtet und den übrigen ist es vermutlich egal: Ich bewerbe mich bei der Bürgermeisterwahl am 1. November 2020 in der Stadt Reichelsheim.'
Der Wahlkampf
Lena Herget-Umsonst begann den Wahlkampf sehr früh. Noch vor der Corona-Pandemie war sie bereits aktiv. Die SPD wollte alles daran setzen, den Wahlkampf in diesem Jahr zu gewinnen, nachdem bei den beiden letzten Bürgermeisterwahlen die Kandidaten Rainer Schauermann und Holger Strebert knapp gegen den CDU-Kandidaten Bertin Bischofsberger scheiterten.BI polarisiert mit Straßenbeiträgen
Am Rande des Wahlkampfs wird eine BI aktiv: Nach der Sanierung der Sudetenstraße und Zustellung der Gebührenbescheide über die zu zahlenden Anteile der Anwohner wird massiv Kritik an den Straßenbeiträgen geäußert und Stellungnahmen bei den Bürgermeisterkandidaten eingefordert. 'Versprechen und Vergessen - das ist das Standardhandeln in den letzten elf Jahren Bertin Bischofsberger', kritisiert die BI.
Nachdem sich vor allem die Parteien SPD mit Kandidatin Herget-Umsonst für die Beibehaltung der Straßenbeiträge (mit ggf. einer Halbierung der Beiträge) und die Freien Wähler mit Cenk Gönül klar für die Abschaffung positioniert haben, passiert dann für viele Bürgerinnen und Bürger etwas Überraschendes: Ende Mai haben SPD-Vertreter in der Sitzung des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschusses die Aufhebung der Straßenbeitragssatzung und damit die Abschaffung der Straßenbeiträge in Reichelsheim beantragt. Am 17. Juni beschloss die Stadtverordnetenversammlung mit SPD-Mehrheit dann final die Abschaffung der Straßenbeiträge. 'Ich denke, dass wir den Druck durch den Wahlkampf merken', kommentierte Cenk Gönül, zu dieser Zeit selbst Bürgermeisterkandidat, das Umschwenken der SPD.
Streit um das Wäldchen
Aber noch ein Thema polarisierte den Wahlkampf (und auch die Zeit danach): Der Streit um die Rodung des Wäldchens zugunsten des Baus einer neuen Kita. Mitte Juli 2020 wird der Entwurf der Kita in der Presse vorgestellt. Obwohl schon 2017 beschlossen und kommuniziert, wird einigen Bürgern erst jetzt klar, was der Bau einer Kita auf dem Gelände des Wäldchens bedeutet. Es entsteht in der Wahlkampfzeit eine BI und eine Online-Petition, die sich für den Erhalt des Wäldchens positioniert. Natürlich wendet sich die BI auch an die Bürgermeisterkandidaten und fordert Stellungnahmen und Antworten ein.
Wahlkampftouren und Kritik
Selbstverständlich sind die Bürgermeisterkandidaten in Reichelsheim unterwegs, besuchen Vereine, Firmen, Institutionen und berichten in der Presse darüber. In diesem Kontext kommt es nach einem Besuch von Lena Herget-Umsonst beim DRK zum Eklat in der Stadtverordnetenversammlung. Uwe Pfriebe (FW) fordert sogar Herget-Umsonsts Amtseinstellung als Stadtverordnetenvorsteherin bis nach der Wahl. Ähnlich ergeht es Cenk Gönül mit einem geplanten Besuch bei den Reichelsheimer Feuerwehren. Mit dem Griff nach den Vereinen betraten die Kandidaten eine Grauzone. Schnell wurde der Ruf nach 'Manipulation' laut.
Eine Podiumsdiskussion blieb bei dem Wahlkampf leider aus. Die Corona-Pandemie hatte dies unmöglich gemacht.
Ein Blick auf die Wahlwerbung
Nachfolgend geben wir nochmal einen Rückblick auf die Wahlwerbung und vielleicht die eine oder andere Merkwürdigkeit - alles natürlich mit einem Augenzwinkern ;-)
Lena Herget-Umsonst hatte viele landwirtschaftliche Anhänger beschafft und werbegünstig an den Ortseingängen positioniert.

'Hinter Gittern' - Lena Herget war an jedem Ortseingang präsent, auch ohne Anhänger.

Cenk Gönül hatte nur einen PKW-Anhänger. Er stand immer an anderen prominenten Stellen in Reichelsheim.

Holger Hachenburger setzte voll auf die neuen Medien und war mit solchen Grafiken u.a. auf Facebook präsent.

Übersicht über die Wahlplakate der drei Kandidaten.

Hoch hinaus wollte Lena Herget-Umsonst. Ob das Plakat am Balkongeländer im dritten Stock jemand gesehen hat?

Ein Wink mit dem Zaunpfahl? Die Wahlwerbung im Garten von Ehrenbürgermeister Gerd Wagner zeigt klar, wer ins Rathaus kommen soll ;-)
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