Reichelsheimer Nachrichten

Meldung vom 12.09.2022

Überwintern im Tal der Störche

Es sind rund drei Dutzend Storchennester auf etwa 7000 Quadratmetern. Noch sind sie leer. Doch wenn unsere Störche im Herbst in Richtung Süden ziehen, dann ist hier bestimmt mächtig was los. Zwischenzeitlich fliegen die Störche über die westliche Zugroute nicht mehr bis nach Afrika, sondern fühlen sich auch auf der iberischen Halbinsel wohl.

Etwas südlich des kleinen Ortes Rasmalho an der portugiesischen Algarve liegt das 'Tal der Störche'. In dem kleinen Tal befindet sich gleich neben einer Tankstelle ein rund 12.000 Quadratmeter großes, eingezäuntes Grundstück. Auf der Größe eines Fußballfeldes haben Störche dort etwa drei Dutzend Storchennester gebaut - und das nur in wenigen Metern Höhe, auf ein paar verkrüppelten Bäumen. Die Nähe der Nester zueinander ist gerade an dieser Stelle auffällig - ebenso wie die geringe Höhe. Rund um das Tal und bis in das südöstlich davon gelegene Städtchen Silves hinein sind immer wieder auffällig viele Storchennester zu sehen.


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In rund 40 Storchennestern überwintern Störche im 'Tal der Störche' auf engstem Raum an der portugiesischen Algarve.


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Ein Silo in Silves trägt alleine sechs Storchennester.


Die Nester sind echte Baukunstwerke. Sie werden mehr als einen Meter hoch und können je nach Alter bis zu zwei Tonnen schwer werden. An der Algarve sind Störche längst heimisch geworden. Überall sieht man Nester auf den großen Backsteinkaminen, Silos, Hausdächern und auf Straßenlampen. Viele Starkstromleitungen sind hier vor den Störchen geschützt oder besser gesagt: Man schützt die Störche vor einem tödlichen Stromschlag. Die Mastspitzen und Ausleger tragen Abweiser oder glänzende Windrädchen, um die Störche davon abzuhalten, hier Nester zu bauen. Und auch die Kabel der Hochspannungsleitungen selbst nahe dem 'Tal der Störche' sind mit in kurzen Abständen mit Abweisern gekennzeichnet, um die Störche zu schützen.


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Viele Backsteinkamine dienen den Störchen als Nistplatz.


Obwohl einige Störche auch mittlerweile in der Wetterau überwintern, ziehen viele unserer Wetterauer Störche im Herbst meist auf der Westroute über Frankreich nach Spanien, Portugal und Nordafrika. Sie fliegen nach Informationen des NABU über Gibraltar und die Sahara, um in der westafrikanischen Sahelzone zwischen Senegal und Tschad den Winter zu verbringen. In den letzten Jahren haben sich viele Störche den Weiterzug bis nach Afrika abgewöhnt. Sie bleiben in Südspanien und der portugiesischen Algarve, wo sie auch in den Wintermonaten auf Mülldeponien ausreichend Nahrung finden.

So scheint es auch bei Rasmalho im 'Tal der Störche' zu sein. Gleich nebenan, nur einen Hügel weiter, befindet sich eine große Mülldeponie, die ausreichend Nahrung zu bieten scheint. Ob unsere Wetterauer Störche hier überwintern? Man weiß es nicht. Allerdings hat der NABU in der Vergangenheit vereinzelt Störche mit kleinen Sendern ausgestattet, um deren Flugroute beobachten zu können. So wurde zumindest die westlichen Zugrouten auf die iberische Halbinsel belegt.



Quelle: AlexanderHitz.de vom 12.09.2022



Meldung von www.alexanderhitz.de