Reichelsheimer Nachrichten

Meldung vom 12.07.2019

Landwirtschaft früher und heute

Zu seinem regelmäßig stattfindenden historischen Stammtisch hatte der Heimat- und Geschichtsverein Reichelsheim an einem ungewöhnlichen Ort eingeladen. Die Mitglieder und Gäste trafen sich zu einem sonntäglichen Grill in der Gerätehalle des aktiven Mitglieds und Landwirts Willi Böcher am Ortsrand von Blofeld. Willi Böcher hatte die Halle mit seinen vielen historischen und landwirtschaftlichen Bildordnern und Kalendern sowie mit alten Flurkarten der Blofelder Gemarkung eingerichtet.

Zu Beginn gab Willi Böcher einen Überblick über die Entwicklung der Landwirtschaft in Blofeld. Nach dem 2. Weltkrieg gab es in Blofeld ca. 12 Pferde- und sieben Kuhbauern. Um 1900 waren zusätzlich noch etwa 40 Tagelöhner als Knechte und Mägde beschäftigt. Er selbst ist als einziger Vollerwerbslandwirt übriggeblieben.

Bei einem Rundgang durch die Hallen gab es eine Fülle von Informationen über historische und moderne landwirtschaftliche Geräte. Zu sehen gab es beispielsweise einen Holzpflug, der nur an wenigen Stellen mit dem damals recht teuren Eisen verstärkt war. Der daneben stehende moderne Wendepflug kostet immerhin 25.000 Euro. Ein großer Fortschritt war der Mähbinder, der eine funktionstüchtige Knotentechnik voraussetzte. Der Vorgänger war ebenfalls zu sehen, nämlich ein Strohseil, das mit einem speziellen Stock verknotet wurde. Neben dem ersten Rübenvollernter konnte man Geräte in die Hand nehmen, mit denen die Rüben von Blättern und Erde befreit wurden. Bei rund 80.000 Rüben auf einem Hektar war dies eine mühevolle Handarbeit.

Weiterhin gab es alte und neue Mähmaschinen, Heuwender, Unkrautjäter und Feldspritzen zu sehen, deren Funktionsweise ausführlich erläutert wurde. Bei vielen Handgeräten waren die Gäste aufgefordert zu erraten, wofür sie benutzt wurden. Höhepunkt des Rundgangs war der eine Viertelmillion Euro teure Mähdrescher, dessen Führerhaus man erklimmen konnte. Willi Böcher wies darauf hin, dass diese Maschine mit einer Mähbreite von 5,50 Metern im internationalen Vergleich ein eher kleines Gerät sei.

Nach dem Essen schloss sich eine Führung an. Willi Böcher zeigte seine Sammlung von Modellen überwiegend landwirtschaftlicher Geräte, die in 14 Vitrinen präsentiert werden. Die Gäste dankten Willi Böcher für diese informativen landwirtschaftlichen Geschichtsstunden mit einem herzlichen Applaus.


hgv0119.jpg
Mitglieder des Heimat- und Geschichtsverein Reichelsheim auf dem Hof von Willi Böcher in Blofeld.


Quelle: Horst Diehl (Heimat- und Geschichtsverein Reichelsheim) vom 12.07.2019



Meldung von www.alexanderhitz.de