Reichelsheim in der Wetterau
 Reichelsheim in der Wetterau 

Der Braunkohletagebau

logo200.gif Jahrzehnte prägte der Berg- und Tagebau die Landschaft rund um Reichelsheim. Zuerst wurde im Tiefbau Braunkohle in den Gruben Weckesheim und Heuchelheim gewonnen, ab 1962 im Tagebau. Die Braunkohle wurde von der "Preussen Elektra" (PREAG, vorher HEFRAG) abgebaut und verarbeitet. Riesige Schaufelrad- und Eimerkettenbagger bewegten Millionen Tonnen von Erde um das Braunkohleflöz freizulegen, über lange Förderbänder zur Verladestation und von dort per Zug ins Braunkohlekraftwerk nach Wölfersheim zu transportieren. 1981 kam der erste Schaufelradbagger vom Tagebau IV bei Hungen/Utpe nach Reichelsheim. Ein Schauspiel für die Reichelsheimer, den riesigen Bagger bei der Überquerung der Landstraße und des Bahngleises zwischen Reichelsheim und Weckesheim zu beobachten.

tagebau.jpg Südwestlich des Reichelsheimer Angelteiches begann der Bagger sich in die Tiefe vorzuarbeiten. Zuerst in Richtung Reichelsheim bis kurz vor den Friedhof, dann eine 180° Wendung und weiter in Richtung Dorn-Assenheim. Mit dem ersten Abraum wurden zu Lärmschutzzwecken große Halden zwischen dem Tagebau und Reichelsheim aufgeschüttet. Zwei weitere Bagger folgten nach Beendigung des Braunkohleabbaus in Tagebauen II/III zwischen Heuchelheim und Weckesheim. In zwei Stufen (2 Schaufelradbagger) wurde Erde abgetragen, ein weiterer Bagger schaufelte die freigelegte Braunkohle auf die Förderbänder, die sie zur Verladestation an der Landstraße zwischen Reichelsheim und Weckesheim transportierten. Von dort aus ging es mit dem "Kohlebähnchen" über die 6,3km lange Strecke ins Kraftwerk nach Wölfersheim. Pro Jahr wurden ca. 800.000t Braunkohle freigelegt und im Kraftwerk verarbeitet.

Der Abraum (Erde, Lehm) wurde zunächst über Förderbänder zu den bis zu 260t schweren Absetzern im Tagebau nach Heuchelheim transportiert. Später kamen auch die Absetzer nach Reichelsheim. Während die Schaufelradbagger sich zwischen Weckesheim und Dorn-Assenheim in die Tiefe gruben, wurde mit dem Abraum von dort der ausgekohlte Tagebau Reichelsheim wieder verfüllt. Der Tagebau VI bei Reichelsheim hatte das schlechteste Abraum/Kohle-Verhältnis (5:1): Es mussten 12,3 Millionen Tonnen Abraum bewegt werden um "nur" 2,1 Millionen Tonnen Braunkohle freizulegen.

Anfang der 90er Jahre waren die Braunkohlevorräte dann in der Wetterau erschöpft. So wurde am 30. September 1991 die letzte Braunkohle mit dem "Kohlebähnchen" ins Kraftwerk nach Wölfersheim transportiert und das Kraftwerk nach Aufbrauchen der auf Halde liegenden Kohlenbestände Ende Oktober abgeschaltet. Bis dahin wurden 158,2 Millionen Tonnen Abraum auf einer Fläche von 1250 Hektar bewegt um 44,1 Millionen Tonnen Braunkohle freizulegen.

Alle Schaufelradbagger, Absetzer, Bänder usw. wurden am Tagebau VII verschrottet. Einige wenige Teile findet man heute in den Bergbaumuseen in Weckesheim und Wölfersheim.

tgb3l.jpg Zwischen den Reichelsheimer Stadtteilen Weckesheim und Dorn-Assenheim blieb ein sogenanntes Restloch -der Bergwerksee- übrig, welches heute noch bergbaulich überwacht wird und sich langsam mit Wasser füllt. Zwei Naturschutzgebiete (Pfaffensee und Teufelsee) entstanden aus den Tagebauen II/III zwischen Weckesheim und Gettenau.

tgb4.jpg Im vom Bergbau stark geprägten Reichelsheimer Ortsteil Weckesheim findet man heute, im 1992 entstandenen Freilichtmuseum an der Durchgangsstrasse, noch einige Überreste der Bergbauära wie z.B. eine Krupp-E-Lok mit einem Kohlewaggon - das "Kohlebähnchen"- welches die Braunkohle von Reichelsheim nach Wölfersheim ins Kraftwerk transportierte.

tgb5.jpg Ebenfalls interessant ist der zweite Teil der Ausstellung im Foyer des Bürgerhauses in Weckesheim. Hier wird dem Betrachter die Entstehung der Kohle, ihr Abbau sowie die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung in den fast 200 Jahren Bergbauära verdeutlicht. An den Schaubildern und Nachbildungen von Baggern und Kraftwerk kann jederzeit die Wetterauer Bergbaugeschichte nachvollzogen werden. Sehenswert ist der originalgetreue Nachbau der ehemaligen Schachtanlage in Weckesheim, welcher mit viel ehrenamtlichen Engagement vom Bergbau- und Geschichtsverein Weckesheim gefertigt wurde.

Geräteausstattung der PREAG

Gerätetyp Anzahl technische Daten
Eimerkettenbagger 1 Dienstgewicht 485t
Schnittiefe bis 22m
Eimerinhalt bis 750l
Schaufelradbagger 5 Dienstgewicht bis 475t
bis 13m Hochschnitt
bis 7m Tiefschnitt
Eimerinhalt bis 350l
Bandwagen 5 Dienstgewicht bis 55t
Gesamtachsabstand 30m
Absetzer 3 Dienstgewicht bis 55t
Gesamtachsabstand 60m
Hilfsgeräte 34 3 Löffelbagger
10 Planier- und Kranraupen
4 Schürfkübelraupen
17 Radfahrzeuge
1 Haldenaufnahmegerät
320l Eimerinhalt
152t Dienstgewicht
Bandanlage 12km Gesamtlänge
Gurtbreite 1000mm (Kohle)
Gurtbreite 1200mm (Abraum)
Gleisanlage 18km, Spurweite 900mm

Übersicht der Tagebaubetriebe

Tagebau Betriebszeit Abraum:Kohle
Verhältnis
Abraum
(Mio. cbm)
Kohle
(Mio. cbm)
Tgb. Wölfersheim 1927-1943 2,4:1 7,9 3,3
Tgb. Trais-Horloff 1940-1950 2,8:1 6,2 2,2
Tgb. I (Wohnbach) 1961-1975 4,3:1 45,1 10,5
Tgb. II/III (Heuchelheim) 1962-1989 3,0:1 53,0 18,1
Tgb. IV (Utphe) 1974-1984 4,8:1 29,8 6,7
Tgb. VI (Reichelsheim) 1981-1989 5,0:1 12,0 2,1
Tgb. VII (Dorn-Assenheim) 1988-1991 4,5:1 6,8 1,2
Summe Tagebaue 1927-1991 3,7:1 160,8 44,1



 Reichelsheim im Internet: www.AlexanderHitz.de