Reichelsheim in der Wetterau
 Reichelsheim in der Wetterau 

Pfaffen- und Teufelsee

Die Entstehung

pfaffen.jpg Etwas abgelegen von den Landstraßen liegen zwischen den Reichelsheimer Stadtteilen Weckesheim und Heuchelheim der Pfaffensee und der Teufelsee. Entstanden sind diese Seen durch den Braunkohleabbau in den Tagebaubetrieben II und III der Preussen Elektra in den Jahren 1962-1989. In dieser Zeit wurden 18,2 Mio.t Braunkohle freigelegt und abgebaut. Während der Betriebszeit des Braunkohlekraftwerks Wölfersheim wurde hier die anfallende Asche verkippt. Teile der beiden Tagebaue wurden mit Abraum aus dem Tagebau VI bei Reichelsheim verkippt.

Unfall am Pfaffensee 1994

Im Jahr 1994 kam es bei Rekultivierungsarbeiten zu einem Unfall am Pfaffensee, bei dem der Fahrer einer Planierraupe beim Abschieben einer Böschung mitsamt seiner Raupe im See versank. Der ganze Abhang, unter dem die verkippte Asche des Kraftwerks lagerte, war ins Rutschen gekommen und hatte Raupe und Fahrer mit sich gerissen.

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Blick auf die abgerutschte Böschung. Deutlich sichtbar ist die aufgetragene Mutterbodenschicht über der Asche.

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Bis in die Mitte des Sees war die Planierraupe mitgerissen worden. Der Fahrer konnte sich selbst retten. Mit einer Ölsperre fing die Feuerwehr auslaufendes Öl auf.

Rekultivierung

Nach der Rekultivierung des Geländes füllten sich die beiden Restlöcher langsam mit Wasser und wurden als Teufelsee und Pfaffensee benamt. Seltene Tiere und Pflanzen siedelten sich an. 1998 wurden die 91 Hektar Wasser- und Ruderalflächen mit über fünf Kilometer langen Heckenzügen als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen. Auf Grund ihres Artenreichtums sind Teufelsee und Pfaffensee wichtige Bestandteile des europäischen Biotopverbundsystem NATURA 2000. Die überregionale Bedeutung im Verbund mit benachbarten NSG's führte zu dem Status als FFH-Gebiet nach der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie der europäischen Union.

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Pfaffensee (rechts) und Teufelsee (links) mit der Ortslage Heuchelheim.

Die Tierwelt

pfahl.jpg Neben seltenen Libellen-, Schmetterlings- und Amphiblenarten wie z.B. der Kreuzkröte oder dem Schwalbenschwanz, sind es vor allem die Vögel, die das Gebiet so schützenswert machen: Etwa 200 Vogelpaare brüten jährlich im Gebiet.Über die Hälfte der Arten stehen auf der roten Liste. Darunter 60 Brutpaare Uferschwalben, 21 Brutpaare Feldlerchen, sechs Brutpaare Zwergtaucher, drei Brutpaare Haubentaucher, drei Brutpaare Blaukehlchen (Stand 1999). Auch Steinschmätzer, Grauammer, Rebhuhn und Wachtel ziehen hier ihren Nachwuchs auf. Viele Wasservögel nutzen das Gebiet zum Rasten und Mausern.

Von Juli bis November wurden schon bis zu 350 Graugänse, 140 Bläßgänse, 100 Saatgänse, 800 Krikenten, 70 Knäkenten, 900 Stockenten und 1200 Kraniche gezählt. Mit etwas Glück kann man während der Zugzeit auch Seltenheiten beobachten: Prachttaucher, Sterntaucher, Silberreiher, Eisente, Odinshühnchen und viele Limikolenarten. Feldhasen, die auf den umliegenden Äckern nur wenig Lebensraum finden, ziehen ihre Jungen im Naturschutzgebiet auf. In den Wintermonaten sammelt sich auch das Rehwild der Umgebung in dem Gebiet. Bis zu 40 Tiere halten sich dann hier auf.

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Schwäne auf einem benachbarten Feld am Pfaffensee.

Die Betreuung

Erstmalig im Regierungsbezirk Darmstadt wurde für dieses Gebiet ein Kooperationsvertrag zwischen dem Eigentümer, der Gemeinde Echzell sowie dem Regierungspräsidium Darmstadt und der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) abgeschlossen. In enger Zusammenarbeit sorgen die Gemeinde Echzell, das Forstamt Nidda, die amtliche Naturschutzwacht und die ehrenamtlichen Betreuer für die Pflege, Information und Besucherlenkung im Gebiet. Beobachtungsstände und markierte Wege wurden für die Besucher, angelegt, damit Sie dieses Refugium für seltene, bestandsbedrohte Tierarten auch zu einzigartigen Naturbeobachtungen nutzen können, ohne die empfindliche Tier- und Pflanzenwelt zu stören.

Kontakte

Gemeinde Echzell (Tel. 06008/9120-0)
Hess. Forstamt Nidda (Tel. 06043/9657-0)
HGON (Auenzentrum) (Tel. 06008/1803)

Bilder

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Beobachtungsstand auf der Südseite des Pfaffensees.

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Blick aus dem südlichen Beobachtungsstand über den Pfaffensee nach Echzell.

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Beobachtungsturm auf der Nordseite des Pfaffensees.

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Panoramablick auf den Pfaffensee vom Beobachtungsturm aus
(Anklicken zum Vergrößern).

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Panoramablick auf den Teufelsee vom Beobachtungsstand aus.


 Reichelsheim im Internet: www.AlexanderHitz.de