Reichelsheim in der Wetterau
 Reichelsheim in der Wetterau 

AlexanderHitz.de on tour

Ein Besuch in Eschede

Ein kalter Herbstwind weht uns um die Nase, als wir die Treppenstufen hinabsteigen. Unser Blick schweift über 101 noch relativ kleine Kirschbäume, mittendrin eine Steinmauer und die danebenliegende Eisenbahnstrecke. Wie aus dem nichts taucht fast lautlos ein ICE auf und rauscht vorrüber.

tneschede.jpg Wir sind zu Gast im niedersächsischen Eschede. An dem Ort, an der Stelle, wo am 03. Juni 1998 um 10:58 Uhr bei einem der bislang schlimmsten Zugunglücke der deutschen Geschichte 101 Menschen ums Leben kamen. 88 Personen wurde schwer verletzt. Hier an der Brücke, über die die Straße nach Rebberlah führt, entgleiste der ICE "Wilhelm Conrad Röntgen" bei einer Geschwindigkeit von 200 km/h und riß die Brücke mit sich. Tausende Helfer waren tagelang im Einsatz um Tote und Verletzte aus den Trümmern zu bergen. Das Bild rechts ging um die Welt. Schuld an der Tragödie war ein gebrochener Radreifen. Die mutmaßliche Ursache führte später zu großen Diskussionen um die Wartung der ICEs.

Die ganze Katastrophe ist unter
http://de.wikipedia.org/wiki/ICE-Unglück_von_Eschede
nachzulesen.

Am 11. Mai 2001 wurde die Gedenkstätte Eschede in Anwesenheit von rund 400 Angehörigen der Opfer, Ehrengästen sowie zahlreichen Helfern und vielen Eschedern eingeweiht. Eine "Gedenkstätte Eschede" soll, so war es die Grundüberzeugung des gleichnamigen Arbeitskreises
  • erinnern
  • mahnen
  • zu denken geben
  • ein Ort des Nichtvergessenseins sein
  • mit einem verletzten Ort versöhnen.
Die Anlage, die nordwestlich der Brücke liegt, befindet sich in der Obhut des Landkreises Celle und der Samtgemeinde Eschede. Auf der steinernen Stele inmitten der 101 Kirschbäume -jeder Baum steht für ein Opfer- sind ganze Familien und Generationen zu finden, die bei dem schrecklichen Unglück getötet wurden.

Eine sehr schöne Dokumentation über die Gedenkstätte findet man auf der Homepage der Samtgemeinde Eschede unter:
http://www.eschede.de/geschichte/ice-unglueck.html

Ich habe hier einige Zeilen aus der Dokumentation mit meinen Bildern von der Gedenkstätte vereint. Ein würdiger Ort für die Opfer des Unglücks.


eschede1.jpg
Das Tor zur Gedenkstätte. Auf der Ostseite findet man das Datum des Unglücks, auf der Westseite eine Inschrift, die in knapper Weise das unbegreifliche Geschehen vom 3. Juni 1998 in Worte zu fassen versucht:

"Am 3. Juni 1998 um 10.58 Uhr zerschellte an dieser Stelle der ICE 884 "Wilhelm- Conrad-Röntgen". 101 Menschen verloren ihr Leben, ganze Familien wurden zerstört; mehr als hundert Reisende wurden schwer verletzt, viele tragen lebenslang an den Folgen. Das Unglück hat die menschliche Zerbrechlichkeit, Vergänglichkeit und Unzulänglichkeit gezeigt. Beispielhaft und aufopfernd haben Retter, Helfer und Bürger des Ortes selbstlos eine schwere Aufgabe angenommen, haben geholfen und getröstet. Durch ihren Einsatz ist Eschede auch ein Ort der Solidarität und gelebter Mitmenschlichkeit geworden."

eschede2.jpg
Geht man durch das Tor, führt eine lange Treppe nach unten zur Gedenkstätte, die parallel zu den Gleisen liegt. Der Besucher begibt sich auf eine Stufe mit Bahn, Gleisen, Opfern.

eschede3.jpg
Parallel zum Weg, befindet sich die steinerne Stele mit den Namen der Getöteten. Mit ihren über acht Metern Länge und einer Höhe von 2,10 Metern verstellt sie den Blick auf die Gleise. Sie trägt folgende Inschrift:

Der Lebensweg dieser 101 Menschen endete in der Zugkatastrophe von Eschede. Auf unergründliche Weise kreuzten und vollendeten sich hier ihre Schicksale. In das Leid und die Trauer um die geliebten Menschen mischt sich Dankbarkeit, ihnen im Leben nahe gewesen zu sein.
Trost ist die Hoffnung: Sie ruhen in Gottes Hand.


eschede4.jpg
Auf dem Rückweg wird der Besucher dazu aufgefordert, über die Treppe die Ebene des Geschehens zu verlassen, bergan, treppauf, hin zum Tor.

eschede5.jpg
Durch das Tor hindurch fällt der Blick auf den Treppenstumpf auf der anderen Straßenseite. Vier überdimensionierte Stufen ragen in den Himmel, lassen den Weg auslaufen, himmelwärts.


 Reichelsheim im Internet: www.AlexanderHitz.de