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| Reichelsheim in der Wetterau |
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Touristenattraktion Baggertransport
Im Städtdreieck zwischen Köln, Aachen und Mönchengladbach liegt das Rheinische Braunkohlenrevier mit seinen drei Großtagebauen Inden, Garzweiler und Hambach. Betrieber der Tagebauanlagen, sowie der umliegenden Kraftwerke ist RWE-Power (vormals Rheinbraun).
Die Großgeräte in den rheinischen Braunkohlentagebauen müssen optimal eingesetzt werden. Denn eine Förderung von Kohle und Abraum auf hohem Niveau ist wichtig für eine kostengünstige Rohstoffversorgung der Kraftwerke und Fabriken. Die Geräte haben unterschiedliche Größen und Eigenschaften, die man durch einen flexiblen Geräteeinsatz im Tagebau nutzen kann. Aus diesem Grund werden Schaufelradbagger 260 und Absetzer 744 den Gerätepark des Tagebaus Hambach ergänzen. Sie sind kleiner und nur etwa halb so leistungsfähig wie die dort üblichen Großgeräte und können sinnvoll und wirtschaftlich sowohl im Bereich der selektiven Kohlegewinnung als auch bei der Bereitstellung von kulturfähigen Böden auf der obersten Gewinnungssohle eingesetzt werden. Dazu kommt: Tagebaue sind ein vorübergehender Eingriff in die Landschaft. Enden Kohleförderung und Verkippung, können die beteiligten Großgeräte abgezogen werden. Aus diesem Grund wechselte Absetzer 755 den Einsatzort: Der frühere Tagebau Bergheim (Förderung von 1984 bis 2002) ist so weit mit Abraum verfüllt, dass das verbleibende Schwestergerät für die Restarbeiten ausreicht.
Bagger 260, Absetzer 744 und Absetzer 755 wechseln den Arbeitsplatz
RWE Power hat schon mehrere Großgeräte über Land transportiert. Im Juni wechselten ein Schaufelradbagger, zwei Absetzer und zwei sogenannte Bandschleifenwagen ihren Arbeitsplatz. Bagger 260 und Absetzer 744 kamen aus dem Tagebau Garzweiler und fuhren zu ihrem neuen Arbeitsplatz im Tagebau Hambach. Gut vier Wochen dauerte die rund 29 Kilometer lange Reise. Überqueren mussten sie die Autobahn 61, die Erft, eine Eisenbahnstrecke und mehrere Straßen. Absetzer 755 aus dem Tagebau Bergheim kam ihnen dabei entgegen. Er reiste über gut 20 Kilometer zum Tagebau Garzweiler. Der gesamte Transport kostete rund 7 Millionen Euro.
Warum ein Transport über Land?
Ein Abbau der Stahlriesen am alten Arbeitsplatz und ihr Transport in Einzelteilen wären viel teurer und zeitraubender als eine Fahrt über Land. Dazu kommt, dass die Geräte von ihrer Bauart her mobil sind: Sie fahren auch im Tagebau auf ihren eigenen Raupenfahrwerken. Und sie sinken trotz ihres hohen Gewichts nicht ein, weil es sich gleichmäßig auf einige hundert Quadratmeter Raupenfläche verteilt: So entspricht ihr Bodendruck in etwa dem eines Menschen.
Die Route
Die Trasse hat den Verlauf, dem bereits im Winter 2001 ein Großgerätetransport folgte. Sie ist auf gerader Strecke 60 Meter, in Kurven sogar 80 Meter breit und führt überwiegend über Ackerflächen. Zu kreuzende Straßen, unterirdische Leitungen und Teile der landwirtschaftlichen Flächen werden mit Kies, Schutzvlies und so genannten Baggermatratzen aus Holz geschützt. Eventuelle Ernteausfälle und Flurschäden der Landwirte entschädigt RWE Power. Bäume und Sträucher auf dem Weg werden bei dieser Strecke so weit wie möglich verschont.
Im Frühjahr 2003 haben Teams der Tagebaue Hambach und Garzweiler mit der Planung für das Projekt begonnen. Zu den ersten Arbeiten gehörten die Sondierung der Trasse, also Untersuchungen auf Tragfähigkeit der Ackerböden. Im September 2003 hat RWE Power die Genehmigung beim Bergamt Düren, der Aufsichtsbehörde des rheinischen Braunkohlenbergbaus, beantragt. Im Rahmen des Verfahrens wurden rund 30 Behörden und Gebietskörperschaften beteiligt. Gleichzeitig galt es, sich mit den betroffenen Grundstückseigentümern über die Entschädigung einig zu werden. Außerdem legte das Unternehmen bei den Unteren Landschaftsbehörden des Rhein-Kreises Neuss und des Rhein-Erft-Kreises einen Landschaftspflegerischen Begleitplan vor, der die Wiederherstellung der Trasse und Neuanpflanzungen regelt.
Im März 2004 hat das Bergamt den Großgerätetransport genehmigt; unmittelbar danach hatte RWE Power begonnen, an den Kreuzungspunkten mit öffentlichen Straßen die für Rampen und Abdeckungen erforderlichen Kiesdepots anzulegen.
Besondere Aufgaben
Auf ihrem Weg zum Tagebau mussten die beiden Großgeräte viele Hindernisse kreuzen oder sehr nah passieren. An einem Wochenende Ende Juni überquerten Bagger 260 und Absetzer 744 die Autobahn 61. Sie war ca. 19 Stunden gesperrt, wobei die Vorbereitung und die Räumung des Überweges weitaus mehr Zeit in Anspruch nahmen als die eigentliche Überfahrt. Mehrere Bundes- und Landstraßen mussten gesperrt, überquert und anschließend wieder geräumt werden. Das passierte vor allem abends oder nachts, wenn möglichst wenige Fahrzeuge unterwegs waren. Die Schienen und Befestigungen der Eisenbahnstrecke Neuss/Horrem mussten mit Schotter abgedeckt werden.
Doch nicht nur der Verkehr wurde umgeleitet: Die Erft wurde an zwei Stellen, an denen sie von den Großgeräte überquert werden musste, mit speziellen Wasserbausteinen und Kies zugeschüttet; das Wasser floß währenddessen durch Bypässe, die von vorangegangenen Transporten stammen und fest eingebaut sind. Selbst Hochspannungs-Freileitungen hängen zu tief für die ungewöhnlichen Fahrzeuge. Vor dem Heranrücken des Transportkonvois wurden sie abgelegt, die Stromkunden wurden in dieser Zeit über andere Leitungen versorgt.
Bandschleifenwagen 945 und Absetzer 755 in der Nähe der Ortschaft Glesch. Schon von
der Autobahn A61 sind die Stahlriesen zu sehen. (Bild: A.Hitz)
Eine Tross von Raupen, Baggern und sonstigen Fahrzeugen begleitet die Stahlriesen, um
die Unmengen von Kies und Schotter vor den Großgeräten zu verteilen. (Bild: A.Hitz)
Blick auf die Baggertrasse: Links Bagger 260, gefolgt von Absetzer 744 und Band-
schleifenwagen 931. (Bild: Wolfgang Linke)
Bagger 260 überquert die A61: Ein Spektakel für viele "Baggertouristen" (Bild:RWE)
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